(Tobias Petermann) Die Anfahrt machte nicht unbedingt Lust auf's Paddeln: Regen, Gewitter und es war sehr früh am Tag. In Heukelum sollte Treffpunkt am Yachthafen mit Christian sein. Erstaunlicherweise waren Richard und ich vor der Zeit und vor Christian vor Ort. Was uns aber weitaus mehr erfreute: der Regen hörte auf. Der Yachthafen selber war verschlossen, aber ein netter Niederländer verriet uns, dass es am weißen Eckhaus der Straße Kruissteiger links ab Richtung Einstieg gehen sollte. Von der Hauptstraße – unser Bus nahm die gesamte Fahrbahn in Anspruch – aus sah es eher aus wie eine enge Sackgasse. Trotzdem entdeckten wir an der Ufermeiler einen für Heukelum Downtown recht ansehnlichen Parkplatz und … den passenden Steeg zum Aussteigen dazu. Heukelum wartet mit schnuckligen kleinen Cafés auf, die sicher auf einer Fahrradtour zum Verweilen einladen. Die Gemeinde wirkt ursprünglich mit seinen kleinen geklinkerten Häuschen.
Zu dritt ging es dann nach Geldermalsen. Der Parkplatz an der Brücke nach Buurmalsen wurde an diesem Sonntag als Rummelplatz gebraucht. Der dortige einfache Einstieg an der Brücke fiel damit zunächst aus. Auf der anderen Seite links von der Straße machten wir aber einen Verleiher aus. Wir fragten einen Mitarbeiter, der einen Fahrradanhänger belud und total überrascht war, dass wir Boote zum Paddeln mitbrachten, ob wir den Bus ausnahmsweise dort stehen lassen konnten. Weil der Laden offiziell zu hatte, stand von seiner Seite aus diesem nichts im Wege.
Nach etwa zwei Stunden Paddeln durch die Betuwe - Bataver Aue - der Provinz Gelderland und deren bekannte Obst- und Gemüseanbaugebiete erreichten wir die Brücke Beesd – Rumpt. Auf Beesder Seite liegt flussabwärts ein Pausenplatz mit Seltenheitswert: öffentlich und mit Bänken. Da aber eine fahrbare Diskothek sich dort breit gemacht hatte, fuhren wir noch ein Stückchen weiter; bis wir einen scheinbar verwahrlosten aber im Gegensatz zu vielen anderen Privatsteegen nicht zum Verkauf stehenden Steeg als Pausenstelle in Beschlag nahmen. Wir kamen schnell überein, so ein Biergarten zum Paddel – In wäre eine hoch interessante Bereicherung für die Befahrung. Und tatsächlich sahen wir nach kurzer Zeit bei KM 77 auf der rechten Seite einen Biergarten liegen. Die kurz vor unserer Pause von uns überholten Leihbootfahrer kannten anscheinend diesen Anlieger. Wissen ist halt Macht. Na ja, dachten wir, soweit hatten wir es offiziell ja nicht mehr, also weiter. Tja, die Sache mit dem Denken, ist so eine verflixte Sache, denn Asperen – sehr gute Ausstiegsstelle am Dorfsteeg – lag anders als im Flussführer angegeben nicht bei 79 sondern erst bei 82,3. Macht ja nichts, immerhin hatten wir noch Kraft, den Kapitän eines Ausflugdampfers in Verlegenheit zu bringen, indem wir ihn einfach überholten. Den ganzen Verlauf des Flusses war uns bereits aufgefallen, dass die Holländer vom kleinen Schmuddelkanu bis zur ausgewachsenen Binnenjacht alles vor der Haustür liegen haben. Kurz vor Unterquerung der Leerdamer Brücke – Flusskilometer 85 statt lt. Flussführer Kilometer 82 – erhielten wir einen Einblick in eine etwas andere Städteplanung. Statt eines gemeinsamen Platzes hatte ein ganzes Viertel mit Einfamilienhäusern einen eigenen künstlichen See, an dem wieder vor jedem Haus ein Boot lag. Leerdam ist übrigens tatsächlich Namensgeberin des in Deutschland beliebten Käses, aber das große Geld wird jedoch mit der Glasindustrie gemacht.
Wir verließen Leerdam wieder und erreichten bei Kilometer 87 endlich Heukelum. Aufgrund der vom Flussführer abweichenden Kilometrierung wurde es allerdings Gewissheit, dass wir 26 statt der vom Bezirk angegebenen 23 km gefahren waren. Hätten wir heißeres Wetter oder Gegenwind gehabt, wäre uns die Linge evtl. nicht ganz so überraschend positiv in Erinnerung geblieben. Wenn alles in Blüte steht, ist dieser Bach mit Sicherheit eine Augenweide.



