Herrentour 2011 Wildalpen (AUT) …
ach nein, doch L’Argentiere La Besse (FRA) … oder ???
Packen / Abfahrt (22.06. 20 Uhr)
(Thomas Schäfer) Wie in jedem Jahr so trafen sich auch im Sommer 2011 wieder Kanuten der Montagsgruppe und einige Auserwählte zur traditionellen Herrentour 2011. Die gesamte Meute traf sich am 22.06. um 20 Uhr zum Beladen des Busses. Auf meinem Weg zum Treffpunkt mit Peter „Piet“ Damek und Jörg „Josch“ Küsters war ich in mehr oder weniger freudiger Erwartung gestartet in die österreichischen Alpen aufzubrechen und dort mit mehr oder weniger grenzwertigem Wetter konfrontiert zu werden. Doch schon bei meiner Ankunft bei Piet wurde eine Alternativ – Lokation in Aussicht gestellt die auch vom Wetter einiges mehr erwarten ließ. Mit dieser neuen Information ging ich vor meinem geistigen Auge noch rasch durch, ob diese unwesentliche Planänderung Auswirkungen auf mein gepacktes Equipment hätte, kam aber gleich zum Schluss, dass die Aussicht auf besseres Wetter alle anderen möglicherweise auch negativen Einflüsse beiseite wusch und meine Ausstattung mit Sicherheit akzeptabel war. Also kurz das Gehrin und die Erwartungen von Österreich auf Frankreich geswitched und weiter im Text … Auf zu Josch.
Angekommen beim Josch wurde dieser über die neue Situation aufgeklärt und er nebst seiner Überlebensausrüstung eingeladen. Mein vorher als relativ groß empfundener PKW entpuppte sich dann hinsichtlich der Massen an Ausrüstungsgegenständen / Stühlen, etc. schnell als kleiner als erwartet, aber zum Glück doch noch groß genug.
Am Bootshaus wurde dann in großer Runde nochmals die Planänderung besprochen und einstimmig akzeptiert. Jaja die Wetteraussichten ließen schnell alle übrigen Zweifel an dem neuen Reiseziel verblassen. 22 Uhr ging‘s dann endlich los. Frankreich wir kommen!
Ankunft 23.06. gegen 11 Uhr
Nach insgesamt 4 Pausen und 13h Reisezeit kommt der Tross des KSK Bayer Uerdingen erschöpft, aber glücklich am Zielort – L’Argentiere Las Besse am Ufer der Durance – an. Jan und Christian würden später, genauso wie Hermann, dazu stoßen. Hermann konnte sich der Reisegruppe leider nicht anschließen und fuhr am 23.0.6 morgens alleine die schlappen 1000 km nach Frankreich und schaffte diese in Rekordzeit. Jan sammelte unterwegs Christian ein, der beruflich in Österreich gastierte und stieß ebenfalls erst in Frankreich zur Meute. Ruckzuck waren alle Zelte und Versorgungswagen, sowie Emma aufgebaut und das Lager der Uerdinger stand. Wer die Gruppe und deren Ausstattung kennt kann sich vielleicht denken, dass unser Lager bei Einheimischen und anderen Campingplatzgästen sofort für Aufsehen sorgte. Jaja die Deutschen und ihr Organisationstalent…
Während der Aufbauphase wurden wir auf ein paar bekannte Gesichter aufmerksam, denn mit Nils Winkler war einer der Top-Sportler des KSK Bayer Uerdingens ebenfalls anwesend, um sich auf den am Ende der Woche stattfindenden Weltcup direkt am Campingplatz vorzubereiten. Er war zusammen mit seinen U23 – Kameraden Paul Böckelmann und Franz Anton aus Leipzig vor Ort.
Einigen reichten die Strapazen der Anreise noch nicht aus und so wurde gleich nach Abschluss der Aufbauarbeiten des Basislagers der Herrentour die Slalomstrecke direkt am Campingplatz eingeweiht. So zogen sich Moritz, Matti und Thomas als erste um, um direkt auf Wasser zu gehen. Aber auch andere Mutige stießen nach kurzer Zeit dazu. Schnell wurde klar, dass die vom Ufer ermittelte leichte Wildwasserstrecke sich beim Befahren doch als schwerer herausstellte als gedacht. So war die erste „Trainingseinheit“ der Herrentour 2011 von einigen Kenterungen und Eskimorollen überschattet, Verletzungen blieben aber zum Glück (noch) aus.
Nach dieser, doch anstrengenden, Paddelaktion waren dann alle froh sich auf den abendlichen Grillgenuß vorbereiten zu können. Das erste (von 5) Bierfass wurde bereits frühzeitig angestochen um sicherzugehen, das auf der langen Fahrt nichts entwichen, oder schlecht geworden ist. Dieser Check verlief zu allgemeinen Freude, erfolgreich. Zu mindestens das Bier hatte die lange Fahrt ohne Probleme überstanden und auch die Zapfanlage tat ihr übriges um den Gerstensaft trinkfertig gekühlt zu servieren.
Als die gute alte und auf vorangehenden Herrentouren bewährte Emma auf Hochtouren lief wurden natürlich auch die deutschen Hoffnungsfahrer des Kanu Slalom’s (Nils, Paul und Franz) zum Speisen und (alkoholfreien) Getränken an die bereits angerichtete Tafel der Uerdinger Herrentour geladen, um die bereits gute Vorbereitung auf den Weltcup weiter zu optimieren.
Hermanns gelieferten kulinarischen Hochgenüsse wurden auf professionelle Art von Ralph und seiner Emma bereitet und ließen (wie erwartet) nichts zu wünschen übrig. Während des beschaulichen Teils des Abends wurden dann auch erste Kontakte zu angrenzenden Paddlergruppen aufgenommen. Eine sehr große Gruppe britischer Paddler, die mit der Universität Newcastle vor Ort waren, hatte ihr Lager direkt an unserem und der Kontakt war schnell aufgebaut. Wir waren auf dem Campingplatz allerdings auch schwer zu übersehen. Deutsches Bier ist offensichtlich ebenfalls für britische Paddler ein geeignetes Lockmittel und so kam man sehr schnell ins Gespräch. Die Stimmung aller war so gut, dass bereits am ersten Abend nach vielen schönen Gesprächen vergangener und zukünftiger Herrentouren erst um 3 Uhr die letzten die Tafel räumten und sich in ihren wohlverdienten Schlaf begaben. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 2 Fässer bestes Königshofer Altbier und 1 ½ Flaschen leckerer Williams vernichtet und es machte sich bei einigen Sorge um die Menge der mitgebrachten Getränke breit. Der Schwimmkönig wurde an diesem Abend Christian, der sich mit den anderen mutigen bereits an diesem Tag die Slalomstrecker heruntergestürzt hatte.
2. Tag 24.06. 28 km auf der Durance
Nach einem sehr schönen Vorabend und vielen Geschichten von Flüssen und WW-Schwierigkeiten der näheren Umgebung waren nun alle bereit die erste der Paddel Touren der Herrentour 2011 zu starten. Andere waren aber wohl auch noch ein wenig müde vom selben Vorabend, so dass man nach einem ausgiebigen Frühstück erst (für andere schon) um 12 Uhr vom Campingplatz startete, um die geplante 28 km lange Tour auf der Durance zu bestreiten. Da diese Tour direkt am Campingplatz startete musste man lediglich ein Fahrzeug zum Ziel bringen und konnte dann sofort starten.
Die erste Tour brachte für alle erstmals einen „lockeren“ Einstieg in die Paddelwoche und wartete mit WW Schwierigkeiten von 1-2 auf. Im Verlauf der Fahrt gab es mit der Rabiaux - Walze lediglich eine schwere WW Stelle (WW4), die aber für die nicht ganz so mutigen leicht umtragen werden konnte. Allerdings ist das Gefahrenpotential der Rabiaux Walze eher gering, da keine gefährlichen Rückläufe oder Unterspülungen vorhanden sind und direkt nach der Walze ein sehr langes ruhiges und ungefährliches Teilstück folgt, auf der man gekenterte sehr einfach retten kann. Somit wagten sich auch einige der vermeintlich schwächeren in die Fluten der Rabiaux Walze und viele schafften diese Stelle ohne Kenterung.
Nach ca. 5 h Fahrt war diese für einige beschwerliche Tour beendet. Auf Grund der vielen ruhigeren Zwischenstücke waren aber nur wenige Kenterungen zu notieren, so dass alle wohlbehalten zurück im Basislager angekommen sind.
Als man dann gegen 18 Uhr das Basislager erreicht hatte wurde direkt ohne weitere Verzögerung die Emma befeuert, um alle hungrigen Mäuler zu stopfen. Vor allem Moritz stellte sich als schwer zu sättigen heraus und man musste alles geben ihn zu befriedigen. Die Paddeltour auf der Durance hatte jeden hungrig gemacht. So dass sehr schnell die ersten Würstchen und andere Leckereien unter den Hungrigen Paddlern verteilt wurden. Auch das Bier lief wieder sehr gut und da mit unseren Nachbarn auch einige Briten den Weg in unser Lager fanden waren auch an diesem Abend 2 Fässer geleert, so dass für den Rest der Tour gerade mal ein Fass übrig blieb. Fairerweise muss erwähnt werden, dass unsere Gäste ihrerseits nicht mit leeren Händen kamen und hier nicht als Schmarotzer da standen. Auch wenn die erste Tour eher mit leichtem WW daher kam gab es auch an diesem Abend mit Christian einen Schwimmkönig, der somit erfolgreich die Krone des Vortages verteidigen konnte.
Tag 3, 25.06. – Clareé
Am Morgen des dritten Tages hatten einige mit Ausfällen gerechnet aber letztendlich waren alle Mitstreiter pünktlich auf den Beinen und zum Frühstück angetreten, so dass es nach selbigem zur nächsten Paddeltour auf der Clareé ging. Nach kurzer Anreise und Umsetzen der Fahrzeuge, bei denen es auf Grund einiger Serpentinen zu ungeplanten Erleichterungen bei Mitfahrern kam, ging es dann an die ersten Besichtigungen. Schnell wurde klar, dass die Clareé wenig Wasser führt und der obere Abschnitt nicht für alle geeignet schien. Somit wagten sich mit Moritz, Matti, Josch, Jan, Nils und Ralf nur die mutigsten der Gruppe in diesen Abschnitt der Strecke. Alle meisterten den Abschnitt ohne größere Probleme und so stieß der Rest der Gruppe schließlich unterhalb hinzu. Ab jetzt ging das lustige Steine rutschen los. Trotz des niedrigen Wasserstandes machte auch die Clareé allen Spaß und auch an diesem Tag gab es keinerlei schwere Blessuren.
Nach der Ankunft zurück am Basislager wurde, wie könnte es anders sein, umgehend die Emma in Betrieb genommen, um auch die Mäuler des dritten Tages zufrieden zu stellen. Der Abend verlief, auch auf Grund des vorangegangenen Abends, etwas ruhiger. Das letzte Fass Bier wurde allerdings geleert, so dass man ab nun auf das teure und nur halb so gute französische Bier, sowie Wein und Calvados zurückgreifen musste. Zum ersten Mal wurde an diesem Abend nicht Christian mit der Krone des Schwimmkönigs ausgezeichnet, so dass Zeremonienmeister Josch die Krone dieses Mal mit Winfried und Wilfried an zwei gleichauf liegende Schwimmkönige verleihen durfte.
Tag 4 26.06. – Guil
Der vierte Tag sollte sich als Ereignisreichster der Herrentour herausstellen. Als Fluss der Wahl suchte man sich bereits am Vorabend die Guil heraus, die Stellenweise mit WW 5-6 bewertete Guil wollte von einigen Mutigen zu mindestens teilweise bezwungen werden, und somit machten sich mit Nils, Matti, Moritz, Josch und Jan die mutigsten Paddler der diesjährigen Herrentour auf, um eine Schlucht der Guil zu bezwingen. Am Einstige wartete auf die Kontrahenten bereits eine sehr schwere WW 5-6 Stelle mit anschließender WW 4-5Stelle. Die WW 5-6 Stelle stand von Anfang an nicht auf dem Plan der Gruppe, da diese sich schon beim ersten Anblick für alle als mehr oder weniger unbefahrbar herausstellte. Die direkt folgende zweite Stelle allerdings wurde sich genauer angeschaut. Durch Zufall war zu diesem Zeitpunkt eine Gruppe italienischer Werksfahrer vor Ort, die die Stelle befahren wollten Da bot es sich an kurz zu warten, um sich ein Bild der ganzen Sache machen zu können. Alle Fahrer der Italiener kamen mit mehr oder weniger einfacher Fahrt durch die Stelle hindurch, trotzdem entschied man sich, dass die Stelle von keinem der Herrentour-Teilnehmer befahren werden würde. Moritz war mit der Entscheidung zwar nicht direkt einverstanden, hat dann aber auch unterhalb eingesetzt und die Stell ausgelassen. Leider geschah kurz vor der Hälfte der geplanten Tour in der Guil Schlucht eine Kenterung von Jan, der zwar eskimotieren konnte, aber durch einen Stein so schwer am Kopf verletzt wurde, dass die Fahrt für ihn an dieser Stelle beendet war. Josch begleitete daraufhin Jan zurück zur Straße, wo man glücklicherweise schnell von einem vorbeifahrenden Auto aufgenommen wurde und zum Zielpunkt gebracht wurde. Der Rest der Gruppe fuhr weiter bis zum Zielpunkt ohne weitere Vorkommnisse. Jan musste nun gemeinsam mit Josch ins Krankenhaus, um die Platzwunde am Kopf behandeln zu lassen. Glücklicherweise stellte sich die Verletzung als eher kosmetischer Natur heraus, so dass Jan bereits kurz darauf wieder zur Gruppe stoßen konnte. In der Zwischenzeit ist der Rest der Gruppe die letzten 4 km der Guil in die Durance bei WW 1-3 bis zur altbekannten Rabiaux Walze gepaddelt, um dort auf den Verletzten und seine Begleiter zu warten. Während dieser Fahrt ist dann auch nichts weiteres mehr vorgefallen, so dass alle gemeinsam am Abend zum Steakessen am Basislager eintrafen, um auch diesen Tag, so wie auch die vorangegangenen Tage, in gemütlicher Runde ausklingen zu lassen. Zu erwähnen sei vielleicht noch, dass (wahrscheinlich wegen der ganzen Aufregung und dem Stress) nicht nur körperliche Blessuren von Jan davon getragen wurden, sondern auch eines der Fahrzeuge an diesem Tag leiden musste. Während einer routinemäßigen Tankbefüllung wurde aus nicht näher geklärten Umständen der PKW von Wilfried unter mysteriösen Umständen beschädigt. Zum Glück ist auch dieser Vorfall hauptsächlich kosmetischer Natur, so dass einer anschließenden Weiterfahrt nichts im Wege stand.
Tag 5, 27.06. – Guisanne – Geburtstagsparty
Der fünfte und damit letzte Tag der Herrentour 2011 wurde nach den Schrecken des Vortages mit einem ausgedehnten Frühstück begonnen, um dann zur Guisanne zu starten, die an diesem Tag auf dem Programm stand. Die Guisanne entpuppte sich als für alle meisterbarer Fluss heraus, der direkt durch den Ort Briancon fließt. Im Vorfeld der Befahrung wurde auch hier die Gruppe in 2 Teile gespalten, da sich der letzte Teil der Strecke, die so genannte Waldschlucht, mit WW 3-4+ als nicht für alle geeignet herausstellte. Die gesamte Gruppe startete also gemeinsam auf der Guisanne und fuhr bis zur Ausstiegsstelle, wo dann der große Teil der Paddler aussetzte und nur die altbekannte zur Weiterfahrt im Boot blieben. Während des Aussteigens ereignete sich dann auch die noch viel diskutierte Kenterung mit Verlassen des Bootes von Mirko, die ihm am Ende des Tages ein geteilte Schwimmerkrone des Schwimmkönigs des Tages bescherte. In die Waldschlucht brachen dann Moritz, Matti, Josch und Nils auf, die vom Rest der Truppe am Ende der Schlucht wieder aufgesammelt wurden. Dies war dann zugleich auch die letzte Fahrt auf einem Fluss in Frankreich für diese Herrentour. Leider konnte auch die Slalomstrecke am Campingplatz nicht mehr befahren werden, weil diese bereits für die Nationalmannschaften für den Weltcup gesperrt war. Am Abend gab es dann noch das obligatorische Restegrillen, bei dem die restlichen Fleischvorräte restlos vertilgt wurden. Hierzu an dieser Stelle ein besonderer Dank an Hermann, für die tolle Qualität des Fleisches, an Moritz, der sich einen großen Anteil an der Vernichtung von selbigem hatte und an Ralf, der mit seinen Grill- und Organisationskünsten die gesamte Fahrt getragen hat. Achja zu erwähnen wäre noch, die nette, kleine Geburtstagsfeier nebst Kuchen und Aufmerksamkeiten, die ich empfangen habe. Ich habe mich sehr gefreut. Der Gesamtsieger der Schwimmkrone der Herrentour heißt im übrigen Christian, der diese Ehre mit Abstand für sich gewinnen konnte. Allerdings sollte man auch erwähnen, dass er sich auch als relativer Anfänger nicht unterkriegen ließ und immer wieder mutig ins Boot stieg, sowie die meisten Passagen versuchte hat zu bezwingen.
Tag 6, 28.06. – Abbauen, Heimfahrt
Nach der letzten Nacht auf dem Campingplatz wurde nochmals gefrühstückt und der letzte Rest der Vorräte vernichtet. Anschließend wurde in Rekordzeit das Basislager abgebrochen und verstaut, so dass man mehr als pünktlich, und früher als jeder Start zu einer Paddeltour an diesem Wochenende, die Rückreise antreten konnte.
Alles in allem war dies wirklich eine überaus gelungene Herrentour 2011 mit kleineren Ausfällen und Blessuren, die sich zum Glück als nicht ganz so schlimm herausgestellt haben. Da es für mich die Premiere war hoffe ich mal, dass ich auch an zukünftigen Touren teilnehmen kann. Mir hat es jedenfalls sehr gefallen und ich freue mich schon jetzt aufs nächste Jahr. Ich bin mal gespannt wohin es uns dann verschlägt.